Interessengemeinschaft www.mehr-lehrer.org
Für mehr Lehrer an Bayerns Volksschulen
und gegen jahrgangskombinierte Klassen
Bericht zum
Diskussionsabend vom 26.05.2006 mit Kultusminister Siegfried Schneider
Neben Eltern, Lehrern und
Kommunalpolitikern aus dem eigenen Landkreis waren auch interessierte Eltern
aus den Landkreisen Aschaffenburg und Augsburg angereist.
Gleich am Eingang haben wir
Unterschriften „Für mehr Lehrer an Grund- und Hauptschulen zur Bildung
kleinerer Klassen“ gesammelt. Diese Liste mit über 160 Unterschriften haben wir
Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber geschickt. Radio Alpenwelle hat hiervon
berichtet, was uns sehr gefreut hat.
Wir haben im Vortrag
aufgezeigt, dass mit Kombiklassen das Problem der übergroßen Klassen, zumindest
bei uns im Landkreis, nicht zu lösen ist. Im kommenden Schuljahr, gäbe es an
zwei Schulen die Möglichkeit mittels Kombiklassen zusammen 2 Lehrkräfte
(abzüglich Differenzierungsstunden) einzusparen. Demgegenüber gibt es
voraussichtlich 14 Klassen mit 30 und mehr Kindern.
Klassen mit 30 und mehr
sollten der Vergangenheit angehören, weil
-
die Kinder heute
insgesamt unruhiger sind als früher,
-
der
Leistungsdruck (insbesondere auch durch Einführung der R6) erheblich gestiegen
ist
-
und heute nur
noch die wenigsten Berufe ohne höhere Schule erlernt werden können.
Wir haben deshalb gefordert,
dass es 1,8% mehr Lehrerzeit pro Volksschüler geben sollte. Für den Landkreis
Bad Tölz - Wolfratshausen würde dies bedeuten, dass wir zu den bisherigen rund
500 Lehrkräften 8 weitere dazubekommen sollten. Damit wäre (zumindest in diesem
Landkreis) eine Begrenzung der Schülerzahl je Klasse auf 28 möglich. Wir gehen
davon aus, dass in anderen Landkreisen, die Verbesserungen damit ähnlich
ausfallen würden. Durch einen Verzicht der Kürzung der Lehrerstellen auf Grund
zurückgehender Schülerzahlen wäre dies ohne zusätzliche Lehrerstellen machbar.
Auch Heiko Arndt vom
CSU-Kreisverband hat gefordert, die Lehrerstellen nicht so stark zu kürzen wie
die Schülerzahlen zurückgehen.
Mit Verweis auf die
Haushaltslage und dem Ziel des ausgeglichenen Staatshaushalts wurden diese
Forderungen jedoch vom Staatsminister zurückgewiesen.
Aus Zeitgründen haben wir
bezüglich Kombiklassen nur die wesentlichsten Punkte gebracht, die dagegen
sprechen:
-
In den Stunden
des gemeinsamen Unterrichts der beiden Klassen muss das Lerntempo stets an die
Erstklässler angepasst sein
-
Da viele Kinder
in den ersten Schuljahren noch nicht so diszipliniert selbständig arbeiten
besteht bei der Stillarbeit die Gefahr,
- dass die Kinder vor sich hinträumen,
- der anderen Gruppe zusehen,
- oder sich unterhalten und damit auch noch den Unterricht der anderen Gruppe
stören.
-
Für
Differenzierungsstunden fehlt weiterhin die feste Zusicherung, dass es diese
geben muss
-
Es ist unklar,
wie die Differenzierungsstunden gewährt werden:
- parallel (Deutsch und Mathematik teilweise in zwei Gruppen)
- während anderem Unterricht (z.B. Handarbeiten / Deutsch parallel)
- durch verschiedene Anfangs- / Endezeiten der
Schultage (vermehrte Busfahrten und
große Probleme für berufstätige
Mütter, da Unterricht teilweise später beginnt oder früher endet)
-
Das Argument des
Kultusministeriums ist unhaltbar, dass die Großen von den Kleinen durch
Wiederholung des Stoffes lernen: Die Unterschiede sind zu groß.
-
Bericht von
Studie der Uni Duisburg-Essen: Kombiklassen sind abzulehnen, weil die große
Gefahr besteht, dass sich zurückgefallene Zweitklässler mit den Erstklässlern
vergleichen und glauben, noch relativ gut zu sein.
-
Beim Schulversuch
des Bayerischen Kultusministeriums mit Kombiklassen gab es mehr als doppelt so
viele Wiederholer wie im Landesdurchschnitt und mehr als 5 mal so viele wie
durchschnittlich in den letzten 5 Jahren in Wackersberg.
-
Es fehlen weiterhin
Erklärungen, wie es zu der Behauptung kommt, dass die Leistungen in den
Kombiklassen gleich seien mit denen in jahrgangsreinen Klassen. Wir wollten
wissen, wie dies festgestellt wurde, haben jedoch hierzu keine Antwort
bekommen.
-
Bei Erkrankung des
Lehrers einer Kombiklasse kommt es zu Defiziten
Die größere Wiederholerzahl
begründete der Kultusminister damit, dass in Kombiklassen auch Kinder
eingeschult werden, die man sonst noch zurückstellen würde.
(Anmerkung dazu: In
Wackersberg drohen / drohten auch Kombiklassen. Von einer solchen Weisung ist
uns bei der Einschulung nichts bekannt gewesen. Ob das beim Schulversuch anders
war, erscheint uns zweifelhaft. Dies könnte nur eine Offenlegung des
vollständigen Berichts zum Schulversuch klären, was wir gefordert haben).
Den anderen Argumenten hatte
der Herr Staatsminister nur entgegen zu setzen "Wenn die Kombiklassen
wirklich so schlecht wären, wie dargestellt, könnte er diese nicht
verantworten, auch dort nicht, wo sonst die Schulen geschlossen werden müssten."
Wir haben gefordert, dass es
Kombiklassen nur mit mehrheitlicher Zustimmung der betroffenen Eltern geben
dürfe.
Kultusminister Schneider
erklärte dazu, dass er es alleine den Schulämtern überlässt, ob bzw. wo es
Kombiklassen gibt. Diese müssen sehen, wie sie mit ihrem Lehrerstunden-Budget zurecht kommen.
Aus einer Pressemitteilung
des Bayerischen Kultusministeriums vom Februar 2006 ist zu entnehmen, dass es
313 Lehrerstellen zusätzlich für Individualförderung (wegen zurückgehender
Schülerzahlen von den Volksschulen abgezogen) geben soll. Wir haben
nachgefragt, wie diese Stellen auf die Schulamtsbezirke aufgeteilt werden.
Außerdem wollten wir erreichen, dass diese Stellen im Bedarfsfall vom Schulamt
auch für die reguläre Klassenbildung verwendet werden dürfen (z.B. zur Teilung
der Problemklasse an der Lettenholz-Schule).
Die Antwort des
Kultusministers hierzu war, dass diese im Verhältnis der Schülerzahl aufgeteilt
werden. Für den Landkreis Bad Tölz - Wolfratshausen entfallen demnach ca. 3
Lehrerstellen hieraus. Zu der Verwendung antwortete der Staatsminister, dass
diese als Mobile Reserve und für spezielle Förderungen vorgesehen seien. Das
Schulamt müsse die Verwendung nachweisen.
Per E-Mail wurde
zwischenzeitlich nachgefragt und gebeten, dass das Schulamt über diese
zusätzlichen Lehrkräfte frei verfügen darf (Einsatz dort, wo die Not am größten
ist).
Vom Minister nicht behandelt
wurde die Bitte auf Veröffentlichung des vollständigen Berichts zum
Schulversuch mit Kombiklassen von 1998 bis 2002. Auch hierzu wurde nachträglich
per E-Mail noch einmal nachgefragt und um Veröffentlichung gebeten.
Es hat uns erschüttert, wie
der Minister begründete, dass große Klassen gleich gut seien wie kleine
Klassen. Anstatt über statistische Auswertungen zu berichten, zog er einfach
nur Beispiele heran. Es ist jedem klar, dass es im Einzelfall auch wesentlich
auf den Lehrer und die Klassenzusammensetzung ankommt. Für eine allgemeine
Aussage hierzu müssen jedoch Statistiken herangezogen werden.
Komplett unbeantwortet
geblieben ist auch die Frage, wie man bei dem genannten Schulversuch mit
Kombiklassen zu dem Ergebnis gekommen sei, dass diese gleich gute Ergebnisse
erzielt hätten wie jahrgangsreine Klassen. Auch hierzu wurde nachgefragt.
Wir werden berichten, sobald
eine Antwort aus dem Kultusministerium vorliegt.