Münchner Merkur 14.07.05

 

Die Zeche zahlen unsere Kinder

 

„Kombiklassenkampf“; Bayernteil vom 5. Juli

 

Dass die Eltern noch eher eine große anstatt einer Kombi-Klasse haben möchten, ist nur verständlich. Da weiß man wenigstens, was man hat. Bei einer Zusammenlegung von 1. und 2. Jahrgangsstufe gibt es zu viele unbekannte Faktoren: Ist die zugeteilte Lehrkraft dieser Herausforderung gewachsen? Stehen die dafür erforderlichen zusätzlichen Lernmittel zur Verfügung? Was passiert, wenn die Klassleitung längere Zeit erkrankt? Wer kann dann eine Kombi-Klasse als Vertretung übernehmen?

 

Von dem im Artikel genannten Schulversuch des Kultusministeriums bezüglich Kombi-Klassen sind auch nur die vom Ministerium genannten Vorteile bekannt. Ich fordere deshalb die Veröffentlichung des vollständigen Berichts dieses wissenschaftlich begleiteten Versuchs. Solange das nicht erfolgt, muss davon ausgegangen werden, dass hier etwas verborgen werden soll, wie zum Beispiel die Wiederholerquote, die mehr als doppelt so hoch war wie im Landesdurchschnitt.

 

Beim Diskussionsabend mit Staatsminister Schneider vor sechs Wochen in Gaißach (Landkreis Bad Tölz - Wolfratshausen) waren ich entsetzt darüber, wie der Minister die schulischen Ergebnisse von großen und kleinen Klassen verglich. Die Ergebnisse seien gleich ausgefallen, weil es große Klassen gebe mit gleich guten Ergebnissen wie von kleinen Klassen. Auf Grund dieser Äußerung müssen wir derzeit davon ausgehen, dass auch nur auf der Basis eines solchen Vergleichs einzelner Klassen die Behauptung entstanden ist, dass die schulischen Leistungen von jahrgangsreinen und -kombinierten Klassen gleich gut seien.

 

Es sind weder große Klassen noch Kombi-Klassen anzustreben. Beides kann verhindert werden, wenn auf den Lehrerabbau wegen zurückgehender Schülerzahlen an den Grundschulen verzichtet wird.  Für den ausgeglichenen Staatshaushalt sind diese Einsparungen aber wohl schon fest eingeplant. Aus diesem Grund müssen nun jahrgangsgemischte oder große Klassen um jeden Preis kommen. Die Zeche können unsere Kinder direkt oder indirekt bezahlen mit schlechteren Schulabschlüssen, höherer Arbeitslosigkeit, geringeren Steuereinnahmen und höheren Sozialausgaben, Kriminalitätsraten  und Suchtgefahren.

 

Albert Orterer

Kalkofenstr. 38

83646 Wackersberg