Münchner Merkur, Bayernteil, Samstag, 15.07.2006
Störende Grundschüler:
Pädagogen rufen um Hilfe
Lehrer überfordert – Weniger Stellen
an Volksschulen
Erding/München (ujk/zie/rah) – Das Kultusministerium
hat angekündigt, im kommenden Schuljahr 4404 Lehrer einzustellen. Während die
weiterführenden Schulen mehr Stellen erhalten, müssen die Volksschulen mit weniger auskommen. Unterdessen haben sich Lehrer in
verschiedenen Schulen des Landkreises Erding über
zunehmend verhaltensauffällige Schüler beklagt.
Der Hilferuf ging direkt an den Stadtrat. Wolfgang Hipper, Rektor der Grundschule Klettham in Erding, hat die Politik um Unterstützung gebeten: „Es gibt im Grunde keine Klasse, in der keine verhaltensauffälligen Schüler sind. In vielen Klassen haben wir sogar extrem verhaltensauffällige Kinder“, berichtet er.
Seine Kollegen bestätigen ihn. Kinder brechen ständig in Tränen aus, reagieren übertrieben aggressiv oder zappeln unaufhörlich. „Wir alle haben mit verhaltensauffälligen Schülern zu kämpfen“, sagt Barbara Schock von der Carl-Orff-Grundschule in Altenerding. Die Stadt will jetzt eine Halbtagsstelle für einen Sozialpädagogen einrichten, nachdem auch die Sozialpädagogin des Gymnasium Erding befunden hatte: „Wir brauchen dringend Hilfe.“
Das Kultusministerium verweist auf die rund 90 Schulsozialpädagogen, die der Staat vor allem an den Hauptschulen beschäftigt. Dass das Problem auch an den Grundschulen breite Kreise zieht, sei ihm nicht bekannt, sagte Ministeriumssprecher Ludwig Unger.
Die 4404 neuen Lehrer im Freistaat ersetzen laut Unger zum Großteil ausscheidende Kräfte. Am Gymnasium würden 500 neue Stellen geschaffen, an den Realschulen 200. An den Hauptschulen werden 1412 Lehrer eingestellt und damit rund 300 Stellen abgebaut. Die SPD kritisierte die Stellenkürzungen. Angesichts des gerade vorgelegten Bildungsberichts sei dies ein Schlag ins Gesicht der Grund-, Haupt- und Förderschulen, sagte Bildungssprecher Hans-Ulrich Pfaffmann.