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München - Neue Zahlen zum Ausfall von Unterrichtsstunden an
oberbayerischen Grund- und Hauptschulen werfen ein Schlaglicht auf den
grassierenden Lehrermangel. Nach einer Erhebung der Personalräte kann weit
weniger als die Hälfte der ausfallenden Stunden durch sogenannte
Mobile Reserven abgefangen werden. Häufig, so ein Insider, behelfen sich die
Schulen mit dem „Prinzip der offenen Tür”: Ein Lehrer springt zwischen zwei
Klassen hin und her.

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Die Zahlen für
die 23 Schulamtsbezirke in Oberbayern waren erst vergangenen Freitag erhoben
worden, 17 Bezirke wurden schon ausgewertet, die Ergebnisse liegen unserer
Zeitung vor. Demnach fielen am Freitag in Oberbayern 1910 Lehrerstunden wegen
Krankheit aus, weitere 828 Stunden durch Fortbildungen, insgesamt also 2738
Stunden.
Ersetzt wurden die ausfallenden Stunden nur zum Teil: 1068, also etwa ein
Drittel, durch die Mobilen Reserven. Etwas mehr, nämlich 1208 ausfallende
Stunden, indes wurden durch schulinterne Organisation abgefedert. Zum Teil
setzten die Schulen dabei auf die Zusammenlegung von Klassen, ein Prinzip,
das vor allem in vielen Grundschulen angewandt wird. Zum Teil mussten Lehrer
auch zwischen zwei Klassenzimmern hin und her springen - das „Prinzip der
offenen Tür”. 450 Stunden konnten gar nicht ersetzt werden.
Die Resultate sind je nach Landkreis unterschiedlich ausgeprägt. So kam der
Landkreis Rosenheim (ohne Stadt) mit seinen 27 Grund- und Hauptschulen auf
299 Fehlstunden. Nur ein Fünftel (60 Stunden) wurde dabei durch die Mobile
Reserve wettgemacht, ein höherer Anteil entfiel auf schulinterne Kunstgriffe:
96 Stunden, also ein Drittel des Gesamtausfalls, wurde zum Beispiel durch
Klassen-Fusionen bewältigt. Für die Personalratsvorsitzende in
Rosenheim-Land, Beate Irle, beweist dies einerseits
das Organisationstalent der Schulen. Andererseits seien
Klassen-Zusammenlegungen zu kritisieren: Der „Lerneffekt für diese Klassen
ist de facto nicht gegeben”, sagte sie unserer Zeitung. Denn häufig seien
dann nur noch Vorlesestunden oder Sport in Großgruppen möglich. Nötig seien
aber mehr Mobile Reserven.
Auffallend im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist der hohe Anteil an
Fortbildungen, der mit 95 Stunden fast das Ausmaß des Krankheits-Anteils (128
Stunden) erreicht. Auch hier konnte ein knappes Viertel (48 Stunden)
überhaupt nicht aufgefangen werden - der Unterricht fiel komplett aus. Im
Kreis Weilheim-Schongau gab es sogar mehr Fortbildungen (132 Stunden) als
Krankheitsfälle (124 Stunden). Auch hier konnte nur ein Teil der Ausfälle
wettgemacht werden - 56 Stunden fielen ersatzlos aus.
Das Augenmerk der Personalräte richtete sich indes auch auf die Zahl der
Fälle, in denen eine Mobile Reserve im laufenden Schuljahr vergebens
angefordert wurde. In Bad Tölz-Wolfratshausen wandten sich Schulen nicht
weniger als 68 Mal umsonst an das Schulamt, ebenso oft im Landkreis Dachau.
Im Landkreis Fürstenfeldbruck musste gar bei 70 Anfragen abgewunken
werden.
Zusammenhänge mit der Zahl der langfristig verplanten Mobilen Reserven seien
offensichtlich, sagte ein Kenner der Materie unserer Zeitung. Auch dazu
liegen neue Zahlen vor. So gab es in Oberbayern zu Beginn dieses Schuljahres
733 Lehrer als Mobile Reserve. Allerdings war etwa jeder Siebte (99 Lehrer)
schon langfristig als Vertretung für mehrmonatig erkrankte oder gar vor der
Dienstunfähigkeit stehende Pädagogen verplant. Mit Fortschreiten des
Schuljahres wird dieser Anteil immer höher. Intern wird geschätzt, dass
mittlerweile gut die Hälfte der oberbayerischen Mobilen Reserve langfristig
verplant ist und für „Springer”-Einsätze gar nicht
mehr zur Verfügung steht.
VON DIRK WALTER
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