Pressebericht Tölzer Kurier,  Seite "Isarwinkel" am 03.03.2006:

 

Jahrgangskombinierte Klassen: Kinder als Spielball?

Gaißacher und Wackersberger Eltern gründen Initiative

VON STEFANIE REIFFERT

Gaißach/Wackersberg ­ Die Gaißacher und Wackersberger Eltern machen sich Sorgen. Denn den beiden Grundschulen drohen jahrgangskombinierte Klassen. Das erfuhren die Eltern Mitte Januar bei einem Informationsabend zur Einschulung ­ und organisierten sofort eine Initiative. Denn sie sind sich einig: Der einzige Grund für die Einführung ist es, zu sparen. Sie befürchten eine schlechtere Ausbildung für ihre Kinder.

Zwölf Eltern waren bei der Gründung der Interessengemeinschaft "Gegen jahrgangskombinierte Klassen" dabei. Deren Vorsitzender, der Arzbacher Albert Orterer, hat bereits Kontakt zu anderen betroffenen Schulen wie Icking aufgenommen. "Wenn möglich, sollen Eltern von Schulen aus ganz Bayern dazu kommen", sagt er. Besonders ärgere die Eltern, dass es keine vergleichbaren Studien für die jahrgangskombinierten Klassen gibt. "Es wurden Klassen untersucht, die eine viel geringe Schülerzahl haben als wir hier." Das Argument, dass es früher "ja auch ging", will er nicht gelten lassen. "Früher waren die Kinder disziplinierter und die Lehrer hatten auch andere Erziehungsmethoden." Er kann sich nicht vorstellen, wie es funktionieren soll, wenn ein hyperaktives Kind in der Gruppe sei.

"Wir wollen vor allem wachrütteln", sagt Marianne Oswald. Die Gaißacherin ist die Vorsitzende des Elternbeirats des Kindergartens in Gaißach. Einer ihrer Söhne wird dieses Jahr eingeschult. "Wenn es einmal da ist, dann ist es da", sagt sie. Gaißach gehöre zu den Schulen, die die Voraussetzungen für die jahrgangskombinierten Klassen erfüllen würden, bestätigt Rektor Ulrich Fritschi. "Es soll keine Klasse unter 20 Schülern geben, und bei uns wären in den beiden ersten Klassen 17 und 18 Kinder." In den zweiten Klassen wären insgesamt 38 Kinder. Fritschi will auf jeden Fall vorbereitet sein. "Ich freue mich aber, wenn es nicht kommt", sagt er.

Gaißach würde eine Lehrkraft einsparen. Wie das System genau laufen soll, steht noch nicht fest. Man könne aus den vier Klassen drei machen, indem man aus den beiden ersten Klassen fünf Schüler herausnimmt, die dann mit in den zweiten Klassen sitzen. Fritschi hofft dabei auf die Mitarbeit der Eltern, um Freiwillige zu finden. "Ansonsten müssten wir sie bestimmen." Dabei sollte es sich um konzentrationsstarke Kinder handeln.

Marianne Oswald sieht das kritisch. "Wie will man das denn bestimmen?" Schließlich seien die Leistungen der Kinder immer tagesabhängig. Sie selbst würde ihren Sohn nicht freiwillig melden. "Die wären dann ein Spielball und hätten keinen Klassenverband." Die Schwächeren kämen dann noch eher in die Förderschule "oder bleiben sitzen", sagt Marianne Oswald.

Der Rektor der Wackersberger Grundschule, Johann Schwedt, macht seinem Unmut deutlich Luft. Die Lehrkräfte seien für diese Aufgabe nicht ausgebildet. Es gäbe seiner Meinung nach nur einen Grund für dieses Modell: Sparen. Ein Lehrer würde in Wackersberg wegfallen und die Stelle der Sekretärin von einem Drittel auf ein Viertel gekürzt. "Bei der selben Arbeitsbelastung", betont Schwedt. "Zwar fällt eine Klasse weg. Aber die Schülerzahl bleibt ja gleich."

Es sei ungerecht, die Klassenstärke anzuheben, "weil wir im Vergleich zu anderen Schulen eine geringe Schülerzahl haben." Seiner Meinung nach solle man doch besser die großen Klassen reduzieren. (Siehe auch Text oben rechts zum selben Thema.)

Das erste Treffen der Elterninitiative findet am Dienstag, 21. März, um 20 Uhr beim Kramerwirt in Arzbach statt.

Die Elterninitiative hat eine

Homepage eingerichtet: www.jahrgangskombiniert.de