Tölzer Kurier, 06.04.2006
Seite "Isarwinkel":
„Möglichkeit zum Sparen“
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von Stefanie Reiffert
Kombi-Klassen sind Thema im Wackersberger Gemeinderat
Wackersberg
– Die geplante Einführung der Kombi-Klassen beschäftigte am Dienstagabend den Wackersberger Gemeinderat. Allerdings gibt es in dem
Gremium nicht nur Kritiker der Einführung, wie in der Diskussion deutlich
wurde. Gemeinderat Thomas Hölzl wollte sich dieser
Möglichkeit zum Sparen „nicht verschließen“.
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Für Bürgermeister Georg Kellner gibt es in diesem
Schuljahr ideale Klassenstärken, die er gerne beibehalten würde. Der
Rathauschef legte noch einmal die Situation dar. „Es gibt wohl Studien zur
Einführung von jahrgangskombinierten Klassen, dort ging angeblich alles glatt.
Aber mir fehlen Details.“ Albert Orterer, der Vorsitzende der Elterninitiative,
habe im Kultusministerium nachgefragt und erfahren, dass mehr Kinder sitzen
bleiben. Kellner will nun gemeinsam mit Gaißach ein
Schreiben an den Stimmkreisabgeordneten Edmund Stoiber verfassen und darum
bitten, keine Kombi-Klassen einzuführen.
Doch nicht der gesamte Gemeinderat steht hinter diesem
Schreiben. Thomas Hölzl ist „auf der Seite des
Freistaats“. Das Ganze sei „eine Frage der Wirtschaftlichkeit“. Weniger Schüler
bedeuteten auch weniger Lehrer. Irgendwo müsse gespart werden, „und das ist ja
unser aller Geld“. Wenn hier der Staat eine Möglichkeit zum Sparen sehe, sollte
man sich dem „nicht verschließen“. Die Einführung der Kombi-Klassen müsse kein
Rückschritt sein. Auf der einen Seite stehe die Angst der Lehrer um ihre
Stelle, auf der anderen Seite das Wohl des Kindes. Vielleicht seien die Mütter
ein „bissl aufgehetzt worden“.
Gemeinderätin Zenzi Ostler, die Sekretärin an der
Grundschule ist, war da ganz anderer Meinung. Die Kosten würden nur „von oben
nach unten verlagert“. So sei mit der Einführung der Kombi-Klassen ein Umbau
der Örtlichkeiten notwendig. Auch müssten neue Unterrichtsmaterialien
angeschafft werden. Durch den Differenzierungsunterricht würden sich die
Unterrichtszeiten verschieben. „Das bedeutet mehr Busfahrten.“ Und diese
müssten von der Gemeinde bezahlt werden. Auch seien gerade schwache Schüler
benachteiligt.
Anton Scherz argumentierte, dass der Druck auf die
Kinder steige. „Wir sollten nicht an unserer Zukunft sparen.“ Hans Demmel warf ein, dass die meisten Gemeinderäte nicht
persönlich von der Problematik betroffen seien. „Wir haben aber die Aufgabe,
die Meinung der Bürger zu vertreten.“ Und die sei klar gegen die Einführung. Das bezweifelte Hölzl. Der
Gemeinderat beschloss dennoch mit einer Mehrheit von 11:4 Stimmen, den Brief
abzuschicken.
Kritik an Edmund Stoiber:
Er sägt am "Stamm unserer Bildung"
Irgendwie ratlos waren die Gaißacher
Gemeinderäte, die sich am Dienstag ebenfalls mit den jahrgangskombinierten
Klassen befassten. Gleich zu Beginn äußerte Bürgermeister Nikolaus Trischberger seine Vorbehalte: "Wir können als
Gemeinderat nächtelang diskutieren, aber nichts ausrichten. Die Eltern müssen
aktiv werden." Er hielt mit seiner persönlichen Meinung allerdings nichts
hinterm Berg: "Jahrgangsgemischte Klassen sind ein Armutszeugnis für Bayern,
und wir sollten die Eltern nach Kräften mit einer Resolution an den Stimmkreisabgeordneten
unterstützen." Das sah das Gremium genauso und votierte für die
Unterstützung. Die Ausformulierung der Resolution (wir berichteten) werde nun
umgehend unter Mithilfe von Volksschulrektor Ulrich Fritschi
erfolgen.
Der Beschluss öffnete ein Ventil: Mehrere
Gemeindevertreter ließen ihrem Unmut freien Lauf. Johann Schinagl
bescheinigte dem Ministerpräsidenten und Stimmkreisabgeordneten Edmund Stoiber
"ein Sägen am Stamm unserer Bildung". Stefan Fadinger
wunderte sich über die Ankündigung Stoibers, dass eigene Vorschul-Sprachklassen
für ausländische Kinder gebildet werden müssen. "Das wäre richtig, aber
auf wessen Kosten geht das? Auf die der Landbevölkerung, da wird gespart."
Eine breite Protestwelle der betroffenen Gemeinden forderte Franz Rest, und für
Susanne Merk stand fest, "dass gemischte Klassen die Hauptschule
schwächen".
Schulleiter Fritschi
präsentierte dem Gremium Fakten: "Aktuell haben wir in Gaißach
32 Kinder zur Einschulung, das ginge noch mit einer Klasse. Wenn noch eines
dazu kommt, wird's schwierig." Obwohl von Regierungsseite die angeblichen
Vorzüge der gemischten Jahrgangsklassen hervorgehoben würden, halte seine Lehrerschaft
jahrgangsreine Klassen für pädagogisch sinnvoller.
Bürgermeister Trischberger
sieht die gesamte Volksschullandschaft vor gravierenden Veränderungen:
"Erstens wegen der demografischen Entwicklung, zweitens weil massiv
gespart werden soll." Auf dieses Stichwort hatte Fritschi
offenbar gewartet. Er führte das aus, was viele dachten: "Eigentlich wären
genügend Lehrer da gewesen, aber zuerst wurden sie aus Kostengründen abgewiesen
und plötzlich fehlen die Lehrkräfte." Er bedauere den Schulamtsleiter,
dessen einige Devise sei: "Wo kann ich einsparen?" - hem