Tölzer Kurier, Isarwinkel, Freitag, 26.05.2006
Viele Fragen an den Minister
Interessengemeinschaft knüpft Kontakte in ganz Bayern
VON STEFANIE REIFFERT
Gaißach/Wackersberg –
Kultusminister Siegfried Schneider wagt sich am heutigen Freitag in die Höhle des Löwen. Er wird sich um 19 Uhr im „Jägerwirt“ in Gaißach den Fragen der Eltern und Lehrer stellen. Dabei wird es auch um das Thema der jahrgangskombinierten Klassen gehen.
Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Für mehr Lehrer an Bayerns Volksschulen und gegen jahrgangskombinierte Klassen“, Albert Orterer und Ralf Schröder, Elternsprecher der 3 a der Lettenholzschule, versprechen sich einiges von der Veranstaltung. „Der Minister hat den Ruf, dass er einem zuhört, und dass man sachlich mit ihm diskutieren kann“, sagt Schröder. Orterer hat sich bereits einen „ganzen Vortrag mit Forderungen“ überlegt. So etwa, dass Klassen nur mit maximal 25 Kindern gebildet werden sollen. „Die Bedingungen für die Lehrer sind schwieriger geworden“, begründet Orterer. Die Zeiten seien heute anders, die Kinder teilweise verhaltensauffällig. Außerdem sollten die Eltern mit darüber bestimmen, ob Kombi-Klassen gebildet werden. Wenn sie es wollten, sei nichts dagegen einzuwenden. „Auch wenn die Alternative wäre, die Schule zu schließen, wie in der Jachenau, ist die Maßnahme verständlich. Aber die Eltern sollen mitbestimmen können.“ Seit Gründung des Vereins hat sich einiges getan. So besteht Kontakt mit Königsdorf und Icking, und Orterer hat schon Kontakt mit betroffenen Schulen in Bamberg, Günzburg, Passau und Aschaffenburg aufgenommen. „Viele andere Landkreise sind nicht so früh wie wir davon informiert worden, dass Kombi-Klassen geplant sind.“ Viele Kontakte ergeben sich durch die Homepage. „Wir haben auch eine Anzeige bei Google geschaltet.“ Man habe über 600 Zugriffe und über 100 Bestellungen von Newslettern, so die Zweite Vorsitzende des Vereins, Martina Probst. Kontakt gibt es auch mit der Lettenholz-Schule, die keine Kombi-Klassen fürchtet, sondern sich kleinere dritte Klassen wünscht (siehe Kasten). Der Austausch tut der Initiative gut. „So werden wir immer wieder angespornt“, erklärt Probst. Wie viele Anträge gegen die Kombi-Klassen an das Schulamt geschickt wurden, hat die Initiative nicht gezählt. Schulamtsleiter Norbert Weinhuber habe diese an das Ministerium weitergeleitet. Orterer ist sich sicher, dass die Initiative die Kombi-Klassen noch verhindern kann: „Wir werden bestimmt nicht aufgeben.“ Aktionen wie Unterschriften-Sammlungen oder Protestbriefe sind angedacht. Auch mit der Unterstützung durch die Gemeinde ist die Initiative sehr zufrieden.
„Das ist bei uns nicht so“, klagt dagegen Schröder. Er sorgt sich, die Veranstaltung mit Minister Schneider könnte mit Themen zu „überfrachtet“ sein. Man wolle schließlich einen längere Diskussion führen.
Eltern fordern kleinere Klassen
Die Eltern der Tölzer Lettenholzschule wünschen sich, dass die beiden dritten Klassen mit je 32 Kindern in drei Klassen aufgeteilt werden. Problematisch ist besonders der hohe Anteil der Kinder mit geringen Deutschkenntnissen. Die Eltern reichten nach vielen Briefwechseln mit Schulamt, Regierung und Kultusministerium eine Petition im Landtag ein. Der zuständige Ausschuss würdigte das Anliegen und reichte es ans Ministerium weiter. Elternsprecher Ralf Schröder: „Wir wollen nun erreichen, dass Klassen
schon bei 30 Schülern geteilt werden.“