www.mehr-lehrer.org
Elterninitiative
"Für mehr Lehrer an
Bayerns Schulen“
Wir sind eine politisch neutrale
Interessengemeinschaft, entstanden aus Eltern und Elternbeiräten betroffener
Schulen.
Wir wollen solange auf die
Probleme der zu geringen Lehrerzahl und der jahrgangskombinierten Klassen in
Sparmodellausführung aufmerksam machen, bis dieser Missstand von unseren
Politikern ernst genommen und beseitigt wird.
Unsere Forderungen:
Es gibt in Bayerns Volksschulen
zu viele überfüllte Klassen mit 30 und mehr Schülern. Wir fordern daher mehr
Lehrer für die Schulen.
Keine Lösung ist die
Einführung von jahrgangskombinierten Klassen mit 20 oder gar mehr Schülern.
Eine Ausnahme kann es hier nur geben, wenn in einer Jahrgangsstufe weniger als
13 Schüler sind und die wohnortnahe örtliche Grundschule erhalten bleiben soll.
Dies ist auch der Gedanke der im Artikel 32 des Bayerischen Erziehungs- und
Unterrichtsgesetz niedergeschrieben steht.
Jahrgangsgemischte parallel
zu jahrgangsreinen Klassen sind derzeit eine reine Sparlösung, um mit einer
Lehrkraft weniger auszukommen. Fünf Differenzierungsstunden sind deutlich zu
wenig. Wir fordern mindestens zehn und diese müssen verbindlich sein.
Es muss genügend mobile
Reserven geben, damit weitgehend ausgeschlossen ist, dass Unterrichtsstunden
ausfallen oder Klassen zusammengelegt werden müssen.
Gemäß einer Pressemitteilung
des Bayerischen Kultusministeriums sollen im Schuljahr 2006/07 422 Lehrerstellen aus den Volksschulen abgezogen
und in andere Schularten transferiert werden. Solange es überfüllte und
jahrgangskombinierte Klassen als Sparmodell gibt,
dürfen nicht Lehrerstellen abgebaut sondern müssen diese erhöht werden.
Unsere Argumente:
- Klassen mit
über 25 Schülern entsprechen nicht mehr den heutigen
Bildungsanforderungen, denn Bildung ist das Kapital der Zukunft. Was heute
in Bildung investiert wird, ist das Kapital von morgen.
- Bei Klassen mit über 25 Schülern hat die
Lehrkraft kaum noch die Möglichkeit, sich individuell um einzelne Kinder
zu kümmern. Langsamere Schüler kommen nicht mehr mit und schalten komplett
ab.
- Keine Lösung ist die Schaffung von
jahrgangskombinierten Klassen, um dort durch Zusammenfassung von
Jahrgängen, Lehrkräfte frei zu bekommen. Wir appellieren an die Eltern von
Schülern in größeren Schulen, dass sie sich nicht anstecken lassen, von
der Aufhetzung gegen kleinere Schulen. Das Bayerische Kultusministerium
will hier nur vom eigentlichen Problem ablenken: Es wird nur immer von
Bildungsoffensive gesprochen, in Wahrheit aber bei den Lehrerstellen
gespart.
- Es gibt keine Alternative zu mehr Lehrern. Der
angebliche Lehrermangel in Bayern ist künstlich erzeugt, indem die
Anforderungen vom Prüfungsergebnis her so hoch geschraubt wurden, dass zu
wenige für die Anstellung in Frage kommen. Tatsächlich wandern viele ausgebildete
Lehrer in andere Bereiche ab.
Unsere Argumente speziell gegen
die jahrgangskombinierten Klassen:
- Die Modellversuche des Bayerischen
Kultusministeriums mit jahrgangskombinierten Klassen wurden mit sehr
geringen Klassenstärken durchgeführt. Obwohl es ein
"Schulversuch" war, werden sowohl die Versuchsbedingungen als
auch alle objektiv auswertbaren Ergebnisse verschwiegen. Es wird nur von
"positiven Erfahrungen" oder "sozialen Vorteilen"
gesprochen. So kann man dies nur als Etikettenschwindel bezeichnen.
Tatsächlich gibt es auch andere Meinungen, wie man am Beispiel Arnbruck
sieht (vergleiche www.mehr-lehrer.org/links.htm):
Am Ende waren die Eltern froh, dass der Versuch vorüber war und wollen nun
keine kombinierte Klasse mehr.
- Um Lehrkräfte einzusparen, sind jahrgangskombinierte
Klassen mit über 20 Schülern leider kein Tabu für das Bayerische
Kultusministerium. Hier kommt es zwangsläufig zu Bildungsdefiziten, wenn
sich die Lehrkraft insbesondere in den Kernfächern nur zur Hälfte einer
Jahrgangsstufe widmen kann. Schwächere bleiben dabei zwangsläufig auf der
Strecke.
- Bei jahrgangskombinierten Klassen parallel zu
jahrgangsreinen Klassen, werden im zweiten
Schuljahr die Schüler in den Klassen neu zusammengemischt. Es kommt
kein richtiger Klassenverband zustande.
Beispiel wie es z.B. für die Wackersberger
Schule aussehen könnte:
Eine Schule hat eine jahrgangsreine 1. Klasse mit 30 Schülern und zwei
jahrgangsgemischte Klassen (1. und 2. Jahrgangsstufe gemischt) mit je 24
Schülern. Letztere Klassen bestehen jeweils aus 20 Schülern der zweiten
und 4 der ersten Jahrgangsstufe. Im Folgejahr müssen die Klassen wieder
komplett neu zusammengemischt werden, da aus einer jahrgangsreinen und
zwei jahrgemischten Klasse zwei neue, gleichmäßig aufgeteilte
jahrgangsgemischte Klassen gebildet werden müssen (aus 30/4/4 werden 19/19
und jeweils 4 bis 5 Schulanfänger dazu).
Vom Bayerischen Kultusministerium wird angepriesen, dass
jahrgangskombinierte Klassen soziale Vorteile hätten. Ist das auch ein
solcher Vorteil?
- In einer solchen Kombiklasse sollen früh
eingeschulte 5-jährige mit spät eingeschulten 8-jährigen (in der 2.
Jahrgangsstufe) einen Klassenverband bilden. Bei diesem Altersunterschied
kommen völlig verschiedene Interessen zusammen. Konflikte sind hier
vorprogrammiert.
- Während eine Jahrgangsstufe unterrichtet wird,
müsste die andere diszipliniert Stillarbeit machen. Dafür wären zum einen
ganz besonders vorbereitete Lernmittel erforderlich, die es aber in den
Staatlichen Schulen nicht in dem Maße gibt, wie sie erforderlich wären. So
werden die Kinder vor sich hin träumen, zum Fenster raus sehen, der
anderen Jahrgangsstufe zusehen, sich unterhalten …
Die versäumte Unterrichtszeit können sie im besten Fall in den
"Differenzierungsstunden" (Gruppen getrennt) teilweise wieder
einarbeiten.
- Damit Differenzierungsstunden für die beiden
Jahrgangsgruppen getrennt stattfinden können, müssen mehr Räume und Lehrkräfte
gleichzeitig zur Verfügung stehen (was häufig nicht der Fall ist) oder die
eine Gruppe fängt später an und die andere hört später auf. Dadurch sind
zusätzliche Schülerbeförderungen notwendig. Ein weiteres damit verbundenes
Problem entsteht, wenn beide Elternteile berufstätig sind: Der zweite
Elternteil kann dann teilweise erst nach 8:30 oder 9:15 Uhr das Haus
verlassen oder sollen die fünf- bis achtjährigen Kinder selbst zusehen,
dass sie rechtzeitig zum Bus kommen? Diese erforderliche Flexibilität macht
aber nicht jeder Arbeitgeber mit. Die Folgen sind jedem klar.
- In der Anweisung des Kultusministeriums steht,
dass für jahrgangskombinierte Klassen bis zu 5 Differenzierungsstunden
erteilt werden können. Dies ist keine Muss-Bestimmung. Falls kein Lehrer
oder Förderlehrer zur Verfügung steht, entfallen diese ganz einfach.
- Die Kinder auf dem Land haben von Grund auf schon
den Nachteil des längeren Schulwegs (nicht nur in der Grundschule). Nach
den Hausaufgaben können dann die Eltern das Versäumte nachpauken, damit
die Sprösslinge eine vergleichbare Chance haben. Das ist eine hohe
zusätzliche Belastung für die Eltern und noch mehr für die noch recht
kleinen Kinder.
- In den 60-er Jahren wurden wegen der Nachteile
der jahrgangsgemischten Klassen diese weitgehend abgeschafft. Nun werden
diese aus Spargründen wieder unverändert eingeführt. Zwischenzeitlich sind
aber zusätzlich die Bildungsanforderungen in der Berufswelt stark
gewachsen.
- Die Lehrer in einer jahrgangskombinierten Klassen
unterliegen einem viel höherem Stress, da sie ständig zwei verschiedene
Gruppen beschäftigen und unter Kontrolle halten müssen. Dies wird sich
dann auch im Krankenstand auswirken. Es wird noch mehr Unterrichtsausfälle
geben und es werden dafür zusätzliche mobile Reserven gebraucht. Die
nächste Frage ist, ob die mobilen Reserven diesem Druck gewachsen sind. Ob
Lehrer, die ständig hohem Stress ausgesetzt sind, noch gut unterrichten
können, ist ebenfalls fraglich.
- Nicht alle Eltern werden (z.B. wegen doppelter
Berufstätigkeit) die entstehenden Lerndefizite bei ihren Kindern
ausgleichen können. So wird es wohl zu einer Bildungsverschlechterung in
ländlichen Gebieten kommen.
Zusammenfassung:
Egal, ob große oder
jahrgangskombinierte Klassen als Sparmodell - beides wirkt sich negativ auf die
Schulbildung unserer Kinder aus. Bildung ist aber das Kapital der Zukunft
unserer Gesellschaft. Es betrifft somit alle, nicht nur diejenigen, die Kinder
in dem entsprechenden Alter haben. Wer nicht will, dass unsere Kommunen und
unser Land im längerfristigen Vergleich zurückfallen, muss hier dagegen aktiv
werden.
Dies sollten auch unsere
Politiker erkennen und entsprechend vorausschauend handeln.
Wir appellieren deshalb an Gemeinderäte,
Bürgermeister, Kreistagsabgeordnete, Landräte, und Landtagsabgeordnete unser Anliegen zu unterstützen,
da es um unser aller Zukunft geht.
Die Politiker aller Parteien
sind sich einig, dass unser Land mehr Kinder bräuchte, damit unser Steuer- und
Sozialsystem zukunftssicher ist. Das genügt aber nicht! Erst durch gute
Schulbildung besteht die Chance, dass unsere Kinder die zukünftigen
Leistungsträger unserer Gesellschaft werden.